Kandidatur für die Landesliste

Berlin ist Europas Kultur- und Medienmetropole und ich bewerbe mich bei Euch als Berliner Kultur- und Medienpolitiker.

Die Arbeit als Kulturpolitiker ist die Fortsetzung meiner gesamten beruflichen Entwicklung. Schon als Kind arbeitete ich am Theater, studierte dann Architektur in Deutschland und den USA und machte schließlich in Wien meinen Abschluss als Szenen- und Bühnenbildner. Kurz nach der Wiedervereinigung blieb ich dann endgültig in der bis heute spannendsten Kulturstadt, in Berlin. Neben meiner Arbeit für Bühne und Film engagierte ich mich sehr bald bei Bündnis 90/ Die Grünen, u.a. als Sprecher der LAG Kultur.

Als mir im Laufe der Jahre immer klarer wurde, dass so gut wie alle soloselbstständigen Künstler*innen trotz Voll-beschäftigung von Altersarmut bedroht sind, beschloss ich hauptberuflich in die Politik einzusteigen. Ich wollte (und will) das System ändern, um die sozialen und die Arbeits-bedingungen für Soloselbstständige und Künstler*innen nachhaltig zu verbessern.

Nach zweieinhalb Jahren als Kulturreferent unserer Bundestagsfraktion kam ich 2014 ins Berliner Abgeord-netenhaus. Ich sitze mittlerweile im Präsidium und in den vier Ausschüssen für Europa–Bund–Medien, für Kultur, für Sport und für Bürgerschaftliches Engagement und Partizipation. Ehrenamtlich sitze ich im Kuratorium von fünf Stiftungen.

Als eigenen Debattenort habe ich mir Notkers Kulturcontainer gebaut, aus dem heraus ich Politik gestalte. Seawatch-Spendensammlung, Kleidertauschpartys der Grünen Jugend und des BUND, die Jewish Activist Summer School… Grüne, LAGen und BAGen tagen und feiern da – Internationale Delegationen und Senator*innen, Europaabgeordnete, MdB, MdA, BVV- Mitglieder und Künstler*innen treffen auf Berliner*innen… Dort werden Berliner Kulturprobleme ausdiskutiert und europäische Kooperationen gegründet.

Im Laufe der Jahre hat sich aus dem umgebenden Urban Garden auch ein sozialer Ort entwickelt, ein kleines grünes Paradies. Gerade in Corona Zeiten für viele Familien eine Oase. Über 300 Erwachsene und Kinder beackern 100 Hochbeete. Eine Kita, ein Schülerladen und eine Schule haben eigene Beete. Es gibt Biobienenstöcke, ein Baumhaus und ein Open Air Kino.

Die Mischung aus politischem und sozialem Engagement lohnt sich – bei der Europawahl haben dort 53,5% grün gewählt – das beste grüne Ergebnis in ganz Berlin.

In meiner politischen Arbeit bilden Kreativwirtschaft, Kultur und Medien meine Schwerpunkte. Ich bin überzeugt davon, dass Kreativität die einzige erneuerbare Ressource Berlins ist – und die muss besser bezahlt und geschützt werden.

Berlin ist immer noch Sehnsuchtsort für Künstler*innen – aber der Schein trügt. Zwar erwirtschaften 150.000 Künstler*innen und Kreative in Berlin 30 Mrd. Euro in der für Deutschland drittwichtigsten Branche. Doch davon kommt bei den freiberuflichen Künstler*innen und Medienschaffenden wenig an, insbesondere bei den Frauen: so verdienen Künstlerinnen im Schnitt knapp unter, Künstler knapp über 1000 € pro Monat.

Schauspieler*innen und Filmschaffende können sich keine Wohnung mehr leisten, während Konzerne wie Amazon und Netflix Milliarden verdienen und in Berlin öffentliche Filmförderung bekommen. Ich setze mich dafür ein, dass diese Ungerechtigkeiten abgebaut werden.

Als Künstler liegt mir besonders die diverse und internationale Kultur- und Kreativszene Berlins am Herzen. Kultur und Kunst sind nur so gut, wie sie divers sind. Dies betrifft Kinder- und Jugendtheater genauso wie Museen und Literatur, für deren Erhalt und Absicherung ich kämpfe.

Die Schaffung von Arbeitsräumen und die soziale Absicherung haben für Kultur-schaffende und Künstler*innen aktuell eine noch viel existenziellere Bedeutung be-kommen. Ich konnte mich dafür einsetzen, dass Millionenbeträge aus den Soforthilfen an Künstler*innen, Kultureinrichtungen und Kreativwirtschaft  aus-gezahlt werden. In Spandau konnte ich einen Bauträger überzeugen, statt eines Bürohauses ein Theater zu bauen – der erste Theaterneubau seit fast sechzig Jahren.

Kulturelle Bildung ist in Berlin noch nicht selbstverständlich genug. Ich möchte jedes Jahr viermal Kultur für Kinder mit der Schule: im Theater, im Kino, im Konzert und im Museum. Unsere Museen sollen zukünftig nicht nur für Kinder, sondern für alle ohne Eintritt zugänglich sein – jeden Tag.

Unsere grüne Medienpolitik ist schlagkräftig. Der neue VFX-Fonds hat schon in den ersten drei Monaten viele Kino- und Serienproduktionen nach Berlin gelockt und hunderte Arbeitsplätze gesichert. Jetzt kommen auch digitale Tierwesen, Raumschiffe und Superheld*innen aus Berlin.

Im Haushalt konnten wir einen Titel zur Vernetzung europäischer Filmfestivalstädte verankern und das Human Rights Film Festival wird endlich vom Land unterstützt. Wir haben beim RBB durchgesetzt, dass mit Freien Mitarbeiter*innen fairer umgegangen wird, und dass endlich auch LGBTIQ* und Menschen mit Behinderungen im Rundfunkrat vertreten sind.

Ein besonderes Anliegen ist mir natürlich der Kampf für die Kinos und Theater, deren Existenz durch die Pandemie bedroht ist. Perspektivisch möchte ich die Berlinale wieder in den Sommer verlegen – mit Open Air-Kinos und Beach Bar-Partys für alle – und nicht nur VIP- Zirkus. Wir brauchen eine City Tax 2.0, die nicht im Haushalt verschwindet sondern direkt der Kultur zu Gute kommt.

Im Ausschuss für Bürgerschaftliches Engagement konnten wir den Karneval der Kulturen vor der Abschaffung durch die SPD retten. Kultur muss in Berlin von und für alle Menschen sein – nicht nur in den großen Institutionen stattfinden. Die Ehrenamtskarte haben wir weiterentwickelt, jugendliche Engagierte eingebunden und Initiativen von und mit Geflüchteten unterstützt.

Sportpolitik spielt in Berlin eine wichtige Rolle – im Großen wie im Kleinen. Über internationale Sportevents, an deren nachhaltiger Umgestaltung wir im Sportausschuss arbeiten, entstehen Städteverbindungen, deren Bedeutung über den Sport hinauswachsen. So arbeiten wir mit der Stadt Glasgow an einer Preferred Partnership als moderne Form der Städtepartnerschaft.

Auch in Berlin selbst ist viel passiert: in Zusammenarbeit mit den Baupolitiker*innen konnten wir den sinnlosen Abriss des Cantian-Stadions in Pankow verhindern. Ich setze mich für die Schaffung von neuen Flächen und Hallen für den Schul- und Freizeitsport ein – insbesondere für Sportarten, die bislang weniger etabliert sind, denn je vielfältiger das Angebot, desto mehr Menschen können sich für den Sport begeistern. So ist es uns gelungen, in Berlin die europaweit erste zertifizierte Ausbildung zur Lehrer*in für Breakdance, Hip Hop, Freestyle zu finanzieren.

Über meine Arbeit im Präsidium und als Sprecher für Städtepartnerschaft hatte ich die Gelegenheit, Berlins internationale Beziehungen auf- und auszubauen, etwa mit Schottland, Finnland, Griechenland, Irland und den USA. Dies möchte ich erweitern und neue europäische Kooperationsprojekte anstoßen. Europa muss zukünftig nicht nur kulturpolitisch noch viel stärker gemeinsam agieren, Berlin sollte auch stärker von europäischen „Best Practice“-Beispielen lernen: Fahrradwege in Kopenhagen, Elektromobilität in Norwegen oder die Oodi-Bibliothek in Helsinki.

Eine besondere Freude war mir in den letzten Jahren die Arbeit in den verschiedenen Kuratorien, etwa des Lette-Vereins, der Landeszentrale für politische Bildung und der Szloma Albam-Stiftung, die sich der Förderung jüdischer Kultur und interkultureller Bildung widmet. Über diese Arbeit ist es mir gelungen, die Stiftungen zu aktivieren, verstärkt in kulturelle Bildung, lokale Projekte und internationale Beziehungen zu investieren.

Kultur muss grüner werden. Berlins Kulturorte müssen erhalten und Künstler*innen sozial abgesichert und fairer behandelt werden. Ich freue mich auf eure Fragen und Anregungen,

HERZLICHE GRÜßE, NOTKER


Zu meiner Person

Als ältester von vier Söhnen einer Richterin und eines politischen Aktivisten und Hausmanns bin ich im Geiste der kritischen Theorie und der Bürgerproteste in Frankfurt a. M. aufgewachsen. Mit zwölf habe ich die Theaterarbeit begonnen, die ich als Bühnen-, Kostüm- und Szenenbildner mit einem Architekturstudium in Deutschland (B.A.), einem Fulbright-Jahr in den USA und einem Magister aus Wien professionalisiert habe.

Neben dem Theater hat mich immer das Innovative und das Politische interessiert. So habe ich auch für Film, TV, Messen, die Freie Szene und politische Initiativen gearbeitet. U.a. habe ich „Massel“ ein Holocaustbuch für Kinder gestaltet und am HAU für „Cargo“ von Rimini-Protokoll einen LKW zum fahrenden Zuschauerraum umgebaut – die Stadt wurde zur Bühne.

Seit 2001 habe ich Großfiguren und Materialien für die Grünen entworfen, für deren Ziele ich mich seit 1988 u.a. als Bundestagsreferent, in den BAG/LAGen Kultur, Medien, Digitales und als Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus einsetze. Meinen KulturContainer habe ich in einen Stadtgarten mitten in Schöneberg erweitert, in dem sich täglich Nachbar*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen begegnen. Der Austausch mit dieser Lebendigkeit im Kiez gibt mir die Kraft und die Ideen, die ich brauche, um die Probleme der Berliner*innen unkonventionell und praktikabel anzupacken.


Die Bewerbung als PDF:

https://gruene.berlin/fileadmin/BE/lv_berlin/LV_Berlin_Dokumente/LDK/2021_04_LDK/Bewerbung_Notker_Schweikhardt.pdf

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